Man wirft sich in Schale

Hepro ist deutscher Marktführer für Schälmaschinen – begonnen hat alles mit Spargel.

Die Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker Siegfried Hennemeier und Christoph Protte arbeiteten unabhängig voneinander für dasselbe Unternehmen, bevor sie eine Frage des Spargelbauers Hans-Josef Brautmeier zusammenbrachte: Lässt sich Spargel maschinell schälen, ohne das empfindliche Gemüse zu beschädigen? Daraufhin entwickelten sie 1993 einen Prototypen. Die Maschine schälte zwar die senkrecht eingeführten Stangen, die Schalen fielen jedoch nicht zufriedenstellend ab. Also wurden die senkrecht arbeitenden Messerpaare in die Waagerechte gebracht.

Im Jahr 1994 gründeten Hennemeier und Protte die Hepro GmbH. Heute bediene das Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück einen Großteil des deutschen Marktes für Schälmaschinen und habe bisher rund 6000 Maschinen verkauft, sagt der heutige Geschäftsführer Christoph Wolter. „Wir kommen in Deutschland auf einen Marktanteil von rund 80 Prozent.“ International sind die Maschinen unter anderem in der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Tschechien, Litauen und Irland im Einsatz.

Vor rund zwölf Jahren gelang mit den Spargelschälmaschinen der Schritt in den Lebensmitteleinzelhandel, vor allem in Supermärkte. Heute kommen Hepro-Maschinen nicht nur beim Schälen von Spargel oder Ananas zum Einsatz, sie schälen auch Karotten, Schwarzwurzeln, Rettich und Gurken. Außerdem pressen Maschinen des Unternehmens Orangen, Granatäpfel, Zitronen und Grapefruit.

Der größte Kunde sei der Lebensmitteleinzelhändler Edeka. Die Maschinen, die Kunden selbst betätigen könnten, kämen besonders gut an. Besonders gefragt ist laut Wolter derzeit die Ananas-Schälmaschine „Pina to go“, vor allem von Supermärkten; die vitaminreiche Frucht liege im Trend. Allerdings habe der Zusatz „to go“ durch die Diskussion um Kunststoffverpackungen an Akzeptanz verloren. So hat man im Februar die „Pina royal“ aus Edelstahl vorgestellt. „Pina royal“ ist als Wortmarke geschützt. Wolters Tochter, 15 Jahre alt, habe den Namen vorgeschlagen, sagt der Geschäftsführer. „Royal bezieht sich auf die Krone der Ananas und steht zugleich für einen international verständlichen Qualitätsanspruch.“

Die Ananasmaschine ist 195 mal 78 mal 67 Zentimeter groß, genauso wie größere Universal-Schälmaschinen, die unter anderem in Fastfood-Restaurants für das Schälen von Karotten genutzt werden. Die Produkte werden vollständig in Deutschland entwickelt und gefertigt. Das sei ein Merkmal für Qualität, sagt Wolters. Die Preise der Maschinen liegen zwischen 8000 und 190.000 Euro.

Die „Pina royal“ sei kompakter, leistungsfähiger – und inklusiv. „So können auch Menschen im Rollstuhl oder Amputierte die Maschine aufgrund kleiner Maße und einhändiger Bedienungsmöglichkeit ohne Probleme bedienen“, sagt Wolter. „Es gibt noch keine andere Maschine auf dem Markt, die diesen Aspekt der Inklusion berücksichtigt.“ Dieser Punkt gewinnt mit dem seit 2025 geltenden Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) an Bedeutung. Es gibt vor, dass auch Menschen mit Behinderung neue Geräte bedienen können.

Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal der Obstmaschinen ist nach eigenen Angaben das für ganz Europa patentierte Anti-Fruchtfliegen-System „bye fly“. Es stellt hohe Hygienestandards sicher, indem ein Netz das Eindringen der kleinen Tiere in die Maschine verhindert.

Wirtschaftlich sei Hepro solide aufgestellt, sagt Wolter. „Wir sind ein eigenkapitalfinanziertes Unternehmen, und die Eigenkapitalquote steigt kontinuierlich. Für das Jahr 2026 erwarten wir einen Umsatz von rund 15 Millionen Euro, etwas über dem Vorjahr.“ Rund 50 Mitarbeiter arbeiten für Hepro.

Auf dem Markt für Schälmaschinen herrsche ein Oligopol mit wenigen Anbietern. Ein niederländisches Unternehmen habe die Ananasmaschine erfunden, existiere jedoch mittlerweile nicht mehr. Zwei spanische Anbieter böten Maschinen an, die jedoch aus Kunststoff seien.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 03.09.2026, Nr. 204, S. 21 - Annika Lebfromm, Max-Planck-Gymnasium, Lahr

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