Hobbygärtner, die Wert auf Umweltverträglichkeit legen, kaufen oft Produkte von Neudorff
Seit ihrer Gründung im Jahr 1854 produziert die W. Neudorff GmbH KG aus Emmerthal in Niedersachsen Produkte, die das Leben erleichtern sollen. Einer der ersten Wirkstoffe, die Wilhelm Neudorff weiterentwickelte, war Natur-Pyrethrum. „Der Wirkstoff wurde früher zur Bekämpfung von Kopfläusen bei Soldaten eingesetzt“, berichtet Pressesprecherin Sabine Klingelhöfer. Heute findet er nur noch in Pflanzenschutzmitteln und beim gezielten Einsatz gegen Ameisen Verwendung. 1960 begann der Aufbau des heutigen Unternehmens, das sich auf umweltverträgliche Produkte spezialisierte. Heute gelte Neudorff als einer der Vorreiter für ökologische Gartenprodukte, betont Klingelhöfer.
Forschung ist zentral für das Unternehmen. „Was mich an Neudorff beeindruckt hat, ist der Einsatz biomimetischer Strategien“, sagt Chemieprofessor Alexander Golub von der National University of Kyiv-Mohyla Academy in Kiew. „Statt aggressiver synthetischer Chemikalien nutzt das Unternehmen häufig naturidentische Stoffe, Mineralien oder pflanzliche Extrakte.“ Diese Form der Chemie greife auf bewährte Prinzipien zurück; sie gehe zur Natur zurück. „Genau das macht sie nachhaltig.“
Wichtig für Neudorff sind natürliche Wirkstoffe und der damit verbundene Umweltschutz. Ein bekanntes Produkt ist das Ferramol-Schneckenkorn, das man vor allem im Jahr 2024 oft verkauft hat; wegen der hohen Feuchtigkeit tummelten sich viele Schnecken in den Gärten. Es basiert auf Eisen-III-Phosphat, einem Stoff, der auch natürlich im Boden vorkommt.
„Wenn eine Schnecke das Produkt aufnimmt, kommt es zu einer spezifischen biochemischen Reaktion“, erklärt Golub. „Die Schnecken stellen sofort die Nahrungsaufnahme ein und ziehen sich zurück.“ Anders als bei älteren Wirkstoffen entsteht dabei kein Schleim, der für andere Tiere gefährlich sein könnte. „Ferramol wirkt leise“, sagt der Professor. „Es hinterlässt keine giftigen Rückstände, sondern zerfällt in Eisen und Phosphat, Stoffe, die Pflanzen ohnehin benötigen.“
Golub hat das Schneckenkorn untersucht und bestätigt, dass es für Tiere ungefährlich ist. „Die Selektivität wird durch die spezifischen pH-Werte und Enzyme im Verdauungstrakt von Nacktschnecken bestimmt. Für Vögel oder Haustiere ist Eisenphosphat ungiftig. Ihr Verdauungssystem verarbeitet es wie ein normales Mineralstoffpräparat, und ein Überschuss wird einfach ausgeschieden. Sie nehmen lediglich Eisen für ihr Blut und Phosphor für ihre Knochen auf.“
Neudorff profitiert vom wachsenden Umweltbewusstsein vieler Verbraucher. Auch Golub sagt: „Wir suchen heute nicht mehr nach dem stärksten Gift, sondern nach der intelligentesten grünen Lösung.“ Der Umsatz lag 2024 nach eigenen Angaben bei rund 160 Millionen Euro, was vor allem auf den hohen Absatz von Schneckenkorn zurückzuführen war. Im Jahr 2025 sei er etwas geringer ausgefallen. Nun seien vielerorts Ameisen zum dominierenden Problem geworden, auch dafür biete man biologische Lösungen an, sagt Klingelhöfer.
Golub gibt zu bedenken, dass auch natürliche Substanzen schädigend sein können, wenn sie falsch eingesetzt werden. Mit Blick auf den organischen Dünger von Neudorff sagt Klingelhöfer allerdings: „Man kann nichts falsch machen. Selbst wenn man zu viel Dünger benutzen sollte oder zur falschen Zeit düngt, werden die Pflanzen, anders als bei mineralischen Düngern, keine Verbrennungen davontragen.“
Das Unternehmen beschäftigt 415 Mitarbeiter, zehn im Ausland. Die Produkte werden in mehr als 20 Länder exportiert, die Exportquote liegt bei fast 50 Prozent. Man verkauft auch außerhalb Europas, etwa in Nordamerika, Brasilien und Japan. In Deutschland haben 3000 bis 3500 Gartencenter und Baumärkte Neudorff-Produkte im Sortiment. Seinen Marktanteil hierzulande beziffert das Unternehmen im Bereich Pflanzenschutz und Hobbygarten auf 44 Prozent, im Segment der Biozid-Produkte auf 35 Prozent.