Verteile und herrsche

Brodos ist Marktführer in der Handydistribution.

Wer ein Smartphone im Handyladen, Elektronikmarkt oder Supermarkt kauft, weiß oft nicht, dass viele Geräte über ein Unternehmen aus Mittelfranken in den Handel gelangen. Die Brodos AG aus Baiersdorf bei Nürnberg ist nach eigenen Angaben der marktführende Distributor für Dienstleistungen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Ein Distributor kauft Produkte von Herstellern und verkauft sie an Händler weiter. Im Fall von Brodos handelt es sich vor allem um Smartphones, Tablets und Zubehör. „Ein kleiner Handyladen könnte gar nicht mit zehn oder fünfzehn internationalen Herstellern gleichzeitig Verträge schließen“, erklärt der Geschäftsführer von Brodos, Stefan Vitzithum.

Das Unternehmen arbeitet mit vielen internationalen Unternehmen, auch Apple und Samsung, zusammen und beliefert Händler in ganz Deutschland. Man vertreibe jährlich mehr als zwei Millionen Smartphones. In Deutschland würden jedes Jahr etwa 18 bis 20 Millionen neue Geräte verkauft. Allerdings kauften große Netzvertreiber wie die Deutsche Telekom und Vodafone ihre Geräte oft direkt bei den Herstellern. Allein deshalb könne Brodos nur einen Teil des Marktes bedienen, der vor allem aus unabhängigen Fachhändlern, Onlinehändlern, Elektronikmärkten und Einzelhandelsketten bestehe.

 Vitzithum kam im Jahr 2000 in das 1991 gegründete Unternehmen. „Ich hatte 1993 mein erstes eigenes Handy. Das hat damals rund 1500 DM gekostet – und konnte nichts außer telefonieren“, erinnert er sich. Nach seinen Angaben lag der Umsatz von Brodos im Jahr 2000 bei rund 50 Millionen Euro, heute betrage er etwa 750 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter beziffert er auf rund 500, verteilt auf mehrere Standorte, unter anderem in Baiersdorf, Fulda, Berlin und im indischen Ahmedabad.

Brodos hat sich auch auf Dienstleistungen spezialisiert. Ein wichtiges Konzept ist der „vernetzte Laden“. Händler erhalten beispielsweise Kassensysteme, Warenwirtschaftsprogramme, Onlineshop-Anbindungen sowie Produktbilder und Marketingmaterial. Am Hauptsitz gibt es einen Modellladen, der zeigt, wie ein moderner Handyladen aufgebaut sein kann. Dort wird demonstriert, wie Präsentationsflächen, digitale Werbedisplays und Verkaufssysteme zusammenspielen. „Unser Ziel ist es, dass sich Händler auf Beratung und Verkauf konzentrieren können“, sagt Vitzithum.

Viele organisatorische Aufgaben würden durch die Systeme von Brodos automatisiert. Gerade kleinere Fachgeschäfte könnten ohne diese Unterstützung kaum mit großen Onlineplattformen konkurrieren. Zu den Kunden gehören auch Geschäftskunden, etwa aus der Industrie und dem öffentlichen Nahverkehr. Sie verwenden die Produkte beispielsweise, um Smartphones für ihre Mitarbeiter sicher einzurichten und zen­tral zu verwalten.

Brodos bewege sich auf einem wettbewerbsintensiven Markt, sagt Vitzi-thum. Neben anderen Distributionsun­ternehmen prägen große Onlineplattformen und Netzbetreiber die Branche. Zudem habe sich der Markt verändert. „Smartphones werden heute länger genutzt und häufiger weiterverkauft oder wiederaufbereitet.“ Die Zahl der neu verkauften Geräte sinke.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 03.06.2026, Nr. 126, S. 21 - Maria Molterer, Ehrenbürg-Gymnasium, Forchheim

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