Wo man Gewicht auf Waagen legt

Wipotec stellt Hochgeschwindigkeitswaagen her

Ob die Pringles in der Dose noch ganz oder schon zerbrochen sind, zeigen die X-Ray- Geräte von Wipotec. 2016 benötigte der amerikanische Chipshersteller eine solche Technik. Pringles habe zum Testen der neuen Geräte nur ein paar Kisten Chips geliefert, erzählen der Geschäftsführer von Wipotec, Theo Düppre, und der Leiter der Marketingabteilung, Oliver Holzwarth. Das war zu wenig, und Pringles schickte dann einen ganzen Lkw voller Chips. Bis heute findet man Pringles-Dosen auf dem Produktionsgelände von Wipotec in Kaiserslautern.

Die Wipotec GmbH ist nach eigenen Angaben „eines der weltweit führenden Unternehmen in der dynamischen Wägetechnik- und Produktkontrolle“. Die Unternehmensidee entstand 1988 in einer Bar in Kaiserslautern. Düppre traf dort auf einen Mann, der nach einer neuen Produktidee suchte. Ein Vorschlag war eine Briefwaage, die direkt das Porto anzeigt. Düppre und Udo Wagner entwickelten daraufhin neben ihrem Studium der Elektrotechnik eine Briefwaage. Steigende Verkaufszahlen und ein wachsendes Interesse an weiterentwickelten Waagen führten dann zur Gründung ihres Unternehmens. Im Jahr 2008 baute man die schnellste MID-zugelassene Briefwaage der Welt.

Wipotec produziert außerdem Metalldetektoren, die Fremdkörper in Produkten aufspüren können, Kamerasysteme, die Farbflecken auf sich rotierenden Farbeimern erkennen sowie Etikettierungsgeräte und dynamische Kontrollwaagen, die Produkte auf einem laufenden Fließband wiegen. Manche Kontrollwaagen können bis zu 760 Produkte je Minute wiegen.

Kunden kommen unter anderem aus der Pharma-, Post- und Lebensmittelindustrie. Bekannte Unternehmen wie Amazon, Lego und Ferrero seien darunter. Nicht geeignet seien die Produkte dort, wo sie nicht auf festem, ruhigem Grund stehen könnten. „Zum Beispiel beim Verwiegen von Fisch auf hoher See“, sagt Holzwarth.

Wipotec beschäftigt rund 900 Mitarbeiter in Kaiserslautern. Man unterhält außerdem Vertriebsstellen in anderen Ländern und kommt so auf insgesamt rund 1200 Beschäftigte. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen in der Branche stelle man den größten Teil der Bauteile selbst her, sagt Holzwarth. Im Vergleich zu starken Konkurrenten wie Mettler-Toledo und Bizerba habe man sich unter anderem auf Hochgeschwindigkeitswaagen spezialisiert und zeichne sich durch eine hohe Fertigungstiefe von 85 Prozent aus. Wettbewerber seien oft mehr auf Präzisionswaagen spezialisiert und vor allem in der Pharmaindustrie von großer Bedeutung.

Besonders stolz ist das Unternehmen auf seine Monoblöcke, die das Herzstück einer modernen Waage darstellen und in denen die gesamte Mechanik und Sensorik stecken, die das Gewicht ermitteln. Man sei eines der wenigen Unternehmen, das die Monoblöcke selbst entwickle und herstelle. Laut Holzwarth hatte man bis 2010 ein Patent auf den Monoblock. „Alle Versuche, den Monoblock nachzubauen, sind fehlgeschlagen.“ Derzeit arbeite man an 3D-gedruckten Monoblöcken. Eine Produktion mittels 3D-Drucktechnik würde ein neues Kapitel in der Wägetechnologie eröffnen, ist man bei Wipotec überzeugt.

Laut Holzwarth investiert Wipotec rund 5 Millionen Euro im Jahr in Forschung und Entwicklung. Etwa zwei Drittel des Umsatzes würden international erwirtschaftet. Die Zukunft bezeichnet Holzwarth als „rosig“. Das Produktionsgelände wird stetig vergrößert, und man erwartet Umsatzsteigerungen. Im vergangenen Jahr habe der Erlös mindestens 225 Millionen Euro betragen, 2024 lag er bei 221 Millionen Euro.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 05.02.2026, Nr. 30, S. 20 - Lukas Torba, Gymnasium am Rittersberg, Kaiserslautern

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