Am Ende wächst doch Gras drüber

Warum Profifußballvereine Hybridrasensysteme von Heiler aus Bielefeld kaufen.

Die Heiler GmbH & Co. KG aus Bielefeld ist im Profifußball für ihre Hybridrasensysteme bekannt. Hybridrasen ist eine Mischung aus Kunst- und Naturrasen. Er ist stabiler und unempfindlicher als Naturrasen und nachhaltiger als Kunstrasen. Besonders gut ist er für den intensiven Profifußball geeignet.

Im Jahr 1953 von Herbert Heiler gegründet, gestaltete das Unternehmen zunächst Außenanlagen wie Parks und Sportplätze, dann kamen Aufträge für größere Sportanlagen und Stadien hinzu. Nach eigenen Angaben baute man 1999 den ersten Innenraum für das Ruhrstadion des VfL Bochum. Anfang der 2000er-Jahre habe man davon profitiert, dass sich Kunstrasenplätze verbreiteten, berichtet Pressesprecher Lennart Kern. Auch die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2006 habe einen Schub gegeben.

Heiler bietet die Installation von Natur-, Kunst- und Hybridrasen sowie Rasenheizung und Rasenmanagement an. Nach Kerns Angaben gehört das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz im unteren achtstelligen Bereich zu den Marktführern der Branche in Deutschland. Der Umsatz komme zu 50 Prozent von den Kommunen, für die hauptsächlich Kunst- und Naturrasenplätze gebaut würden.

Die andere Hälfte tragen Profifußballvereine bei, zum Beispiel Bayer 04 Leverkusen, VfL Wolfsburg, RB Leipzig und SV Werder Bremen. Die Hybridrasenplätze seien „grundsätzlich ein Produkt für den Profifußball“, sagt Kern. Die Kunden stammen zu 95 Prozent aus Deutschland. Für die Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2024 habe Heiler die Trainingsplätze für die italienische und türkische Mannschaft in Deutschland gebaut.

Das Unternehmen bietet zwei Hybridrasensysteme an. Der „Sporthybrid R“ ist in zwei Qualitäten erhältlich. Die Kunststofffasern der einfacheren Qualität bestehen aus Polyethylen, die der besseren aus Polypropylen. Der „Sporthybrid R“ wird überwiegend im Profifußball verwendet, da er haltbarer ist. Zunächst werde der Naturrasen als Rollrasen hingelegt. „Die Hybridrasenfasern werden dann eingebracht. Das kann man mit großen Nähmaschinen vergleichen, die über den Platz fahren und alle zwei Zentimeter Kunststofffasern in die Rasennarbe, die oberste Schicht des Rasens, implantieren“, erklärt Kern. Das dauere etwa zwei Wochen. Bei guter Pflege könne dieser Rasen rund zehn Jahre liegen bleiben.

Beim „Sporthybrid Turf“ sind die vollständig biologisch abbaubaren Kunststofffasern eine Besonderheit. Diese PLA-Fasern bestehen aus pflanzlicher Stärke und zersetzen sich nur unter industriellen Kompostierbedingungen. „Die Schwierigkeit war damals, dass sich diese Fasern homogen mit der Rasentragschicht mischen, weil sie dazu neigen, sich zu büscheln, so ähnlich wie Katzenhaare Knäuel bilden“, erklärt Kern. Mit einer eigens entwickelten Dosieranlage löste man das Problem.

Dieser Hybridrasen lässt sich auf zwei unterschiedliche Weisen installieren. Entweder baut man die Rasentragschicht ein, ein Gemisch aus Sand, Muttererde und Lava, und mischt dann die Fasern in diese Schicht, bevor der Naturrasen eingesät wird. Oder man baut ihn als Rollrasen ein; dann werden schon in der Rasenschule die Fasern in die Rasentragschicht eingebaut. Das sorge für eine besondere Scherfestigkeit, weil sich die Kunstfasern mit den Wurzeln verzahnten, erklärt Kern. Die Rasennarbe des „Sporthybrid Turf“ bleibt in beiden Verfahren zu 100 Prozent Naturrasen. Dieser Rasen bleibt meistens nur ein bis zwei Jahre liegen; allerdings lasse er sich schnell austauschen, weshalb er besonders gut für Stadien geeignet sei, in denen auch Konzerte stattfänden.

Damit ein Hybridrasen lange hält, muss er jedes Jahr renoviert werden. Eine Renovation koste rund 45.000 bis 50.000 Euro, sagt Kern. Heiler renoviere jährlich 20 bis 25 Hybridrasensysteme, fast alle, die man gebaut habe. Die Fußballvereine aus Wolfsburg und Dortmund renovieren die von Heiler installierten Systeme allerdings selbst. Durch den Rasenschnitt werden die Rasenhalme von abgestorbener organischer Masse überwachsen. „Die Schicht wird komplett abgefräst, damit die Fasern wieder frei liegen“, erklärt Kern. Danach würden je nach Bedarf Sand oder die Rasentragschicht neu eingestreut und Unebenheiten ausgeglichen. Zum Schluss werde die Fläche mit neuem Naturrasen eingesät.

Für den Naturrasen kooperiere man mit der Rasenschule Hendriks Graszoden B.V. aus Heythuysen in den Niederlanden, die den Rollrasen herstelle. Heiler verlege jährlich etwa fünf bis zehn Hybridrasensysteme, sagt Kern. Der Einbau eines „Sporthybrid Turf“ koste knapp unter 200.000 Euro und des „Sporthybrid R“ etwa 250.000 Euro. Hinzu kämen die Kosten für den einzusäenden Naturrasen. Da der Rasen immer als Sportplatzsystem verlegt werde, etwa mit Rasenheizung, könne der Preis eines Neubaus auch bei 1,5 Millionen Euro liegen.

In Zukunft werde der Hybridrasen die neue Normalität im Profifußball sein, glaubt Kern. Auch unter den Zweitligisten steige die Nachfrage. Der Hybridrasen könne allerdings den Kunstrasen nicht ganz ersetzen, der im Breitensport sehr vorteilhaft sein könne, weil er wenig Pflege brauche. Auch leisteten sich die Kommunen eine Hybridraseninstallation oft nicht.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 01.10.2026, Nr. 228, S. 22 - Maike Faßbender, Hardtberg-Gymnasium, Bonn

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