Die kauflustige Helaba
Kaufgelegenheiten auf dem deutschen Bankenmarkt gibt es reichlich. Doch die großen deutschen Kreditinstitute Deutsche Bank und Commerzbank lassen anderen den Vortritt. Mutlos oder konsequent?
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Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz wird den Arbeitsmarkt verändern – und damit auch die Finanzierung des öffentlichen Sektors. Wer zahlt in Zukunft Steuern?
Wie jede revolutionäre Technologie entbindet auch die Künstliche Intelligenz (KI) Phantasien von schier unbegrenztem Fortschritt, der Transformation aller menschlichen Tätigkeit und erheblichem Wachstum. Jede Woche erscheinen Dutzende von Beiträgen, was man mit der KI noch alles machen kann. Die Bürger werden zu ihren eigenen Ärzten, Anwälten und Steuerberatern, im Handumdrehen können sie Norwegisch oder finden sich in den entlegensten Wissensgebieten zurecht.
Was die Prognosen der allgemeinen Produktivitätssteigerung angeht, so lagen selbst vorsichtige Schätzungen zuletzt bei einem jährlichen Zuwachs von 1,5 Prozent über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg. Andere Ökonomen sprechen sogar von einer Verdopplung des Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten in diesem Zeitraum.
Daron Acemoglu vom Massachusetts Institute of Technology hat solche Erwartungen stark gedämpft. Er kommt in seiner makroökonomischen Schätzung, die auch Kosten steigernde Effekte des Einsatzes von KI in Rechnung stellt, auf eine Produktivitätssteigerung von 0,66 Prozent in einem Zehnjahreszeitraum.
An solchen Schätzungen hängen nicht nur Fortschrittserwartungen. Ihre Rückseite ist, dass KI Arbeitsplätze vernichten könnte. Das ist eine naheliegende Vermutung, schaut man sich an, welche Nutzungsmöglichkeiten dieser Technologie versprochen werden. Köchinnen und Handwerker scheinen sich einstweilen keine Sorgen machen zu müssen. Anders sieht es im Dienstleistungssektor dort aus, wo es vorwiegend um den repetitiven Umgang mit Sprache und Zahlen geht, mit Mustererkennung und Datenverarbeitung. Von den Übersetzern und Radiologen über die Mietrechtler und Buchhalter bis zu den Finanzanalysten und den Programmierern erscheinen ganze Berufsfelder bedroht. Produktivität wird durch KI gesteigert, also entfällt menschliche Arbeit.
Dem treten Studien entgegen, die auf einen zusätzlichen Arbeitskräftebedarf durch KI hinweisen. Es wächst danach einerseits der IT-Sektor, andererseits entstehen neue Berufe, die sich der KI bedienen. Was schrumpft, ist die Nachfrage nach menschlich ausgeführten Routineaufgaben; was zunimmt, sind solche Jobbeschreibungen, in denen der Umgang mit KI neue Dienstleistungen ermöglicht. Eine jüngere Analyse von mehr als einer Milliarde weltweiter Stellenanzeigen durch die Unternehmensberatung PwC ergab im Jahr 2025 für Deutschland einen Zuwachs von Anzeigen, die auf den Einsatz von KI bezogen waren, von 1,3 Prozent. Die Gesamtbeschäftigung bleibt stabil, wird prognostiziert, aber es kommt zu einem erhöhten Qualifikationsdruck.
KI hat allerdings nicht nur mikroökonomische Effekte auf einzelne Arbeitnehmer und Berufsgruppen. Denn Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt sind auch Auswirkungen auf die Finanzierung des öffentlichen Sektors. Sie erfolgt in Deutschland ungefähr hälftig durch Steuern auf Arbeit und Konsum. Der größte Anteil an den gesamten Steuereinnahmen entfällt auf die Mehrwert- und Umsatzsteuer einerseits (im Jahr 2025: 310 Milliarden Euro), die Lohn- und Einkommensteuer andererseits (knapp 263 Milliarden Euro).
Zwei Ökonomen der Universität von Virginia haben jetzt überlegt, wie es um diese Einnahmen stünde, sollte menschliche Arbeit zunehmend durch Leistungen der KI, einschließlich der Robotik, ersetzt werden. Sie unterscheiden dabei zwei Stadien. Im ersten Stadium, das sie die „Post-Labor-Economy“ nennen, fällt der Anteil der Arbeit am gesamten volkswirtschaftlichen Einkommen, wodurch die Hälfte der herkömmlichen Steuerbasis erodiert. Sowohl das Kapitaleinkommen wie die Einkommen, die noch durch menschliche Arbeit erzielt werden, sind in diesem Szenario hochkonzentriert, da es relativ wenige Anbieter von KI gibt und vor allem repetitive Tätigkeiten ersetzt werden. Nicht Arbeitslosigkeit wird die Ausnahme sein, sondern Beschäftigung.
Es bleiben als Mittel der Finanzierung öffentlicher Aufgaben dann Konsum- und Kapitalsteuern, Grundsteuer und die Besteuerung anderer fixer Faktoren übrig. Der Steuerstaat, so prognostizieren die Autoren, wird in diesem Stadium immer findiger werden, um spezielle Konsumsteuern zu erheben.
Und woher kommt der Konsum, wenn immer weniger gearbeitet wird? Die Autoren vermuten, es werde sich ein garantiertes arbeitsloses Grundeinkommen durchsetzen. Ihr Kommentator, Matthew Weinzierl von Harvard, ergänzt diese Erwartung durch den Gedanken, in einer von KI bestimmten Ökonomie komme es vermutlich zur Aufwertung von Tätigkeiten, zu denen der Algorithmus nicht fähig ist, die heute aber oft unbezahlt geleistet werden.
Im zweiten Stadium, der „KI-zentrierten Ökonomie“, nimmt auch diese Möglichkeit stark ab, mittels Verbrauchssteuern Einnahmeverluste des Staates zu kompensieren, weil das meiste Einkommen nun arbeitslos erzielt wird. Woher die effektive Nachfrage nach dem kommt, was mittels KI hergestellt wird, bleibt dabei ungeklärt. Die KI konsumiert nicht, sie verbraucht nur Unmengen an Energie. Bleiben im Szenario der Ökonomen Steuern auf Kapitalerträge und Vermögen.
Den meisten Theoretikern der optimalen Besteuerung wird das nicht gefallen. Sie sehen in der Regel nur die Effizienzkosten von Steuern. Der politische Prozess muss in einer solchen Ökonomie tatsächlich entscheiden, wie viel zukünftigen Fortschritt (sprich: Investition) er gegenwärtigen Finanzierungsbedürfnissen des Wohlfahrtsstaates zu opfern bereit ist. Es tritt an der Besteuerung endgültig ihre politökonomische Dimension hervor. Die Verfechter einer geringen Besteuerung von Vermögen, Dividenden und Profiten würden es in einer von KI durchdrungenen Wirtschaft jedenfalls schwer haben.
Fast möchte man sagen: Der primäre politische Konflikt wäre in einer solchen Wirtschaft nicht der zwischen Kapital und Arbeit, sondern der zwischen Kapital und Arbeitslosigkeit. Das klingt dramatisch, aber an dieser Stelle ist der Hinweis geboten, dass es sich nur um eine ökonomische Modellwelt handelt, mit den üblichen vielen Als-ob-Annahmen. Wer sich von ihr irritiert sieht, findet Trost im Aufsatz von Daron Acemoglu.
Wie die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz die reale Politik beeinflusst, zeigt wiederum exemplarisch der Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU). Er empfiehlt nun, die Umsätze mit Künstlicher Intelligenz in Deutschland zu besteuern – und damit den Umbau des Arbeitsmarkts teilweise zu bezahlen.
Daron Acemoglu: „The Simple Macroeconomics of AI“, Economic Policy 40 (2025)
Erik Engberg u. a.: „Who is afraid of AI? Who should it be?“, Kiel Policy Brief 1 (2026)
Anton Korinek, Lee Lockwood: „Public Finance in the Age of AI. A Primer“, in: Ajay Agrawal e. a.: The Economics of Transformative AI, Chicago 2026.
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